... das schutzwaldsanierungsprojekt 1990 und der weg in die zukunft

Am Anfang der Aktivitäten des Vereines Waldpflegegemeinschaft Gaisberg stand die Projektausarbeitung und Einreichung bei den forstlichen Förderungsstellen. Diese erfolgte mit der nachstehenden Konzeption zum Schutzwaldsanierungsprojekt Gaisberg (Förderungsantrag im Jahr 1990). 

Projektgebiet

Der Gaisberg (450-1288 m) begrenzt im Osten das Salzburger Becken und bildet einen Teil der Salzburger Kalkvoralpen (Osterhorngruppe). Durch seine randalpine, meteorologisch exponierte Lage, einen geologisch äußerst komplizierten Aufbau mit stark erosionsanfälligen Bodendecken, die Jahrhunderte alte land- und forstwirtschaftliche Nutzung und seine aktuelle, ständig steigende Bedeutung als Naherholungsgebiet der 140.000 Einwohner der Stadt Salzburg unterliegt der Salzburger Gaisberg vielfältigen Einflüssen und Einwirkungen mit den daraus resultierenden Umweltbelastungen und –problemen.  Das Bewaldungsprozent der Stadtgemeinde Salzburg beträgt 16 % und wird durch die weitgehend geschlossene Bewaldung des Gaisberges bestimmt. Die zur Stadt Salzburg exponierten Westhänge, die auch innerhalb des Gemeindegebietes liegen, umfassen eine Gesamtfläche von ca. 750 ha, wobei 650 ha (= 87 %) hiervon bestockt werden.

Geschichtliche Entwicklung

Starke Überschlägerungen der Waldbestände, wie sie aus den Stichen des 19. Jahrhunderts in Form großer Kahlhiebe nachvollziehbar sind, veranlassten im Jahr 1870 die Bezirkshauptmannschaft den gesamten westseitigen Gaisbergwaldbereich in Bann zu legen um so weiteren Waldflächenverlusten entgegenzuwirken und den Schutz der Trinkwasserquellen (Bannzweck) zu sichern bzw. wiederherzustellen. 1893 erfolgte eine Lockerung der ursprünglich äußerst strengen forstwirtschaftlichen Bewirtschaftungsrichtlinien (die aus heutiger Sicht als wohlüberlegt und vollinhaltlich erforderlich zu beurteilen sind). 1908 wurde sogar der südlich der Zahnradbahntrasse gelegene Bereich (etwa 60 % der Gesamtwaldfläche) aus dem Bann entlassen.  Für den nördlichen verbliebenen Waldbereich hat es die Forstbehörde unterlassen entsprechend den forstgesetzlichen Bestimmungen des § 184 Zif. 4 ForstG 1975 eine fristgerechte (bis 31.12.1980) Überprüfung der Bannlegung vorzunehmen, womit die rechtliche Bannwaldqualifikation als solche seither nicht mehr möglich ist. Die Besitzstruktur (im Jahr 1990) der 73 Waldeigentümer wird großteils durch Klein- und Kleinstwaldparzellen geprägt. Der größte Waldbesitzer sind die ÖBF mit insgesamt 88 ha, weitere sechs Eigentümer haben Waldflächen mit 20 bis 50 ha, weitere acht zwischen 10 und 20 ha und die restlichen 57 Waldbesitzer unter 10 ha.

Gaisberg um 1829 (Sattler Panorama)


Gaisberg im Jahr 2008

Geologie und Böden

Den kollin-submontanen Gaisbergbereich (450 - 900 m) bestimmen Lockergesteine (Moränen), Gosaukonglomerate, -mergel und Kössener Schichten. Die aufgelagerten, eher tiefgründigen wuchskräftigen Braunerde-Braunlehmdecken neigen zu starker Rutschanfälligkeit. Montan (ab 900 m) herrscht Dachstein-Plattenkalk, Hauptdolomit und Liaskalk mit Rendzina-Standorten bei geringen Bodenmächtigkeiten vor. Orographisch und geomorphologisch bestimmte Massenbewegungstendenzen sind großflächig feststellbar. Steinschlag- und Felssturzgefahr auf 27% der Gesamtfläche, potentielle, durch Bodenkriechen angezeigte Rutschgebiete (22%) und Flächen mit Felskriechen (18%) belegen die hohe Bodenschutzfunktionen der Gaisbergwälder.

Klima

Die randalpine Staulage der westexponierten Gaisbergabhänge erklärt die hohen Jahresniederschlagssummen (1300 - 1800 mm). Bei Starkregenereignissen (z.B. Juli 1987) besteht für den Siedlungsraum Gnigl - Parsch - Aigen Hochwassergefährdung.

Waldschäden

Durch die Kombination von randalpiner Staulage (Fernimmissionen), Nahemissionen des Zentralraumes Salzburg und lokalklimatische Gegebenheiten (Inversionslagen) unterliegen die Waldbestände des Gaisberges einer überdurchschnittlichen Luftschadstoffbelastung. Die Kronenverlichtungen bei Nadel- und Laubbäumen steigen mit zunehmender Seehöhe sichtbar an, obwohl alle Immissionsmessdaten und Bodenuntersuchungen eine Abnahme der Schadstoffeinträge vom Talboden zum Gipfel hin belegen. Die Ursache dieser scheinbaren Divergenz liegt in der geologisch-bodenkundlichen Ausgangssituation mit wuchskräftigen Böden im Mittel- und Unterhangbereich des Gaisberges und den klimatisch extremeren, flachgründigen Oberhangstandorten.

Waldgesellschaften

Die buchenreichen Laubmischwaldbestände werden mit zunehmender Seehöhe nadelbaumreicher und entsprechen in ihrer Zusammensetzung großflächig dem natürlichen Waldbild der Fichten-Tannen-Buchenbergwaldstufe. Die forstliche Bewirtschaftung hat in den letzten Jahrzehnten jedoch zu einer verstärkten Kultivierung der Fichte und einem markanten Rückgang des Tannenmischungsanteiles geführt. Die heutige Waldbewirtschaftung wird - soweit durchgeführt - nicht mehr im Großflächenkahlschlagverfahren vorgenommen; das Aufkommen von Mischbeständen ist jedoch infolge der biotopbezogen überhöhten Wilddichte derzeit ohne Zaunschutz nicht möglich.

Waldfunktionen

Im Waldentwicklungsplan Salzburg-Stadt aus den Jahr 1990 sind die sozialen Waldfunktionen (Schutz-, Wohlfahrts-, Erholungswirkungen) durchwegs mit den Kennziffern 2 und 3 ausgewiesen. Der Nutzwirkung wurde in keinem Bestandesteil die Leitfunktion zugesprochen, sodass Schutz- und Wohlfahrtswirkungen diese übernehmen.  

  • Nutzfunktion: Die orographisch teilweise schwierigen Bringungsverhältnisse, eine örtlich unzureichende forstliche Aufschließung, kleinflächige Waldbesitzstrukturen mit zunehmend nicht bäuerlichen Waldbesitzern und die emotionellen Hemmnisse bei forstlichen Arbeiten in siedlungsnahen Wäldern haben die Nutzfunktion der Gaisbergwaldungen stark in den Hintergrund treten lassen. Teilweise besteht seitens der Waldeigentümer keine Bereitschaft mehr, eine kontinuierliche, jedoch kostenintensive Waldbewirtschaftung durchzuführen.  

  • Schutzwirkung: Die Schutzwirkungen ergeben sich aus den ungünstigen Standortsverhältnissen, die eine möglichst geschlossene Bewaldung verlangen und aus den Objektschutzwirkungen für die bis an den Hangfuß heranreichenden Siedlungsräumen Gnigl - Parsch - Aigen.

  • Wohlfahrtswirkung:  Der im Jahr 1870 maßgebliche Bannlegungszweck (Schutz der Quellen) ist funktionell noch heute teilweise gegeben. Obwohl heute der Großteil des Stadtgebietes aus den Quellen des Untersberges bzw. dem nördlichen Salzachtal versorgt wird, erfolgt für die Stadtteile Obergnigl, Parsch, Aigen rechtsseitig der Eisenbahnlinie die Trinkwasserversorgung noch immer aus Gaisbergquellen. An der Kühbergnordseite und am Gersberg sind eigene Wasserschutzgebiete hierfür ausgewiesen. Die zunehmende Verschlechterung der Luftgüte im Salzburger Becken lässt geschlossenen Waldflächen eine zentrale Funktion als Luftfilter zukommen. 65 % der Gesamtwaldfläche der Stadtgemeinde Salzburg liegt im Bereich des Gaisberges.  

  • Erholungsfunktion: Als Naherholungsgebiet der 140.000 Einwohnerstadt und zudem als Ausflugsberg für den Städtetourismus nimmt der Gaisberg - eine aus ökologischer Sicht nicht wünschenswerte - bedeutsame Stellung ein. Der jährliche Besucherstrom wird am Gipfel mit 600.000, entlang des Rundwanderweges mit 200.000 angeschätzt. Etwa 90% der Gaisbergbesucher benutzen die Gaisbergstraße (PKW, Bus), nur 10% erwandern derzeit den Gaisberg. Der Gipfel ist auch ein beliebter Drachenflieger- und Paragleiterstartplatz. 

Waldbauliche Ausgangslage 

Für die Gaisbergwaldflächen innerhalb des Stadtgebietes wurden 1987 und 1988 eine geschlossene waldbauliche Bestandesinventur erstellt. Diese versucht in ihren Zielsetzungen insbesondere den örtlich differenzierten sozialen Waldfunktionen zu entsprochen und unterscheidet sich dadurch wesentlich von einem Wirtschaftsplan im Sinne traditioneller forstwirtschaftlich orientierter Operate

  • Altersstufen: Die räumliche Verteilung der Altersstufen ist in den beigeschlossenen Kartenunterlagen (Kopien) i.M. 1:5.000 dargestellt. Zahlenmäßig zusammengefasst bedeutet dies nachstehende prozentuale Aufgliederung: 2 % Blößen, 5 % Jungwüchse, 10 % Dickungen, 26 % Stangenhölzer, 43 % Baumhölzer, 12 % Althölzer und 2 % Plenterwald. Etwa ein Drittel der Gaisbergwaldbestände ist strukturell überaltert.  

  • Entwicklungsphasen: Wenn man die flächigen Großkahlhiebe Mitte des 19. Jahrhunderts und die aktuelle räumliche Verteilung der Alterstufen bzw. Entwicklungsphasen zugrunde legt, stellt sich die waldbauliche Ausgangssituation noch wesentlich ungünstiger dar, als sie in der prozentuellen Aufteilung der Altersstufen erscheint. Derzeit beträgt die prozentuelle Zuordnung: 9 % Initialphasen, 36 % Optimalphasen, 22 % Optimal- bis Terminalphasen, 33 % Terminal- bis Zerfallsphasen. Insbesonders im Bereich nördlich der alten Zahnradbahntrasse, für den die Bannwalderklärung bis zum Jahr 1980 vorlag, zeigt eine Entwicklungsphasenprognose für die nächsten 50 Jahre eine weitere Verschärfung der kritischen IST-Situation. Sie belegt den zu erwartenden Rückgang von Initial- und Optimalstadien und den Anstieg von labilen Terminal- und Zerfallsphasen.  

  • Bestandesstabilität: Die Bestandesstabilität ist in den 1908 entbannten Waldbereichen infolge der höheren forstlichen Bewirtschaftungsintensität deutlich günstiger. Im nördlichen Teilbereichen stellt sie sich wie folgt dar. Aber auch hier zeigt sich in der bestandesbezogenen Analyse, eine sinkende Bestandesstabilität mit abnehmender forstwirtschaftlicher Betreuung (meist einhergehend mit zunehmenden Bringungserschwernissen).  

  • Naturnähe: Die Naturnähe als ein aussagekräftiges Parameter der Möglichkeiten einer erfolgreichen Waldsanierung stellt sich jedoch überdurchschnittlich günstig dar. 62 % der aktuellen Waldbestockung ist naturnahe aufgebaut; in einzelnen, extremen und daher kaum zugänglichen Geländeteilen (Kapaun, Kühberg) finden sich sogar natürliche, urwaldähnliche Bestandesstrukturen (= 3 %). 24 % sind durch ihre forstlich einseitige Bewirtschaftungsintensität mit einer einhergehenden Bestandesentmischung (Ausfall der Tanne, Rückgang von Bergahorn, Buche, Esche) nur bedingt naturnahe. Auf 11 %, und dies betrifft vornehmlich den kollin-submontanen Hangfußbereich und Neubewaldungsstadien auf landwirtschaftliche Grenzertragsböden, sind durch die hier nicht standorttaugliche Fichtenkultivierung naturferne und dringend umwandlungsbedürftig

angestrebte Bestockungsziele

Die geomorphologisch und orographisch differenzierte Ausgangssituation mit wechselnder Wertigkeit/Gewichtung der Waldfunktionen erlauben nur generelle Vorgaben von Bestockungszielen, die standortspezifisch und waldgesellschaftenspezifisch anzupassen sind. In dieser Aufstellung ist jedoch zu berücksichtigen, dass die sehr dringlichen Pflegebestände nach Durchführung der ersten waldbaulichen Maßnahmen einer zweiten Pflegeetappe im Abstand von 8-12 Jahren  und eine dritte nach 16-20 Jahren zu unterziehen wären. Bei einer Gesamtwaldfläche von 650 ha bedeutet dies innerhalb der folgenden 20 Jahre eine rechnerische Sanierungsfläche von 1.950 ha.

  • standortspezifisch: 

  • Kalk-Dolomitstandorte: 30-40 % Fichte, 20-30 % Tanne, 30 % Buche, Bergahorn (Linde,  Esche, Eibe, Lärche)

  • Flysch -Konglomeratstandorte:  30 % Fichte, 25-40 % Tanne, 30-50 % Buche; Bergahorn, Esche, Spitzahorn, Linde

  • Rutschgefährdete Hanglagen: Grabeneinhänge: keine Fichte, verstärkt Tanne, Eibe, Bergahorn, Esche, Grauerle

  • Steinschlagbereiche:  Tiefwurzler (Tanne, Buche) mit gutem Ausheilvermögen von Rindenschäden; besondere Pflege des Nebenbestandes (Eibe, Bergahorn)

  • Quellschutzbereiche:   Baumarten mit geringer Interception und hoher Infiltration, Fichtenanteil bis maximal 30 %.

  • waldgesellschaftenspezifisch:

  • mesophiler Karbonat Platterbsen-Buchenwald; 30-70 %; bis 30 % Tanne, 10-30 % Bergahorn, 10-20 % Esche, bis 20 % Fichte

  • termophiler Karbonat Weißseggen-Buchenwald: 40-80 % Buche, bis 20 % Kiefer, bis 30 % Tanne, bis 30 % Bergahorn  

  • Braunerde Waldmeister-Buchenwald: 50-80 % Buche, 10-30 % Tanne, bis 10 % Bergahorn und Esche, 10-20 % Fichte  

  • Karbonat Alpendost-Fichten-Tannen-Buchenwald: 30-60 % Buche, 20-30 % Tanne, 10-40 % Fichte, bis 10 % Bergahorn, Esche, bis 30 % Lärche  

  • Bergahorn-Eschenwald: 20-40 % Esche, 20-50 % Buche, 10-30 % Bergahorn, bis 30 % Tanne, bis 20 % Grauerle

  • Linden-Buchenwald: 30-80 % Buche, bis 30 % Linde, bis 30 % Tanne, bis 20 % Eibe

Bestandeszusammensetzung und der Entwicklungsprognose ergibt sich die Dringlichkeitsreihung in der Schutzwaldpflege, bezogen auf die Gesamtwaldfläche. Zum Projektstart stellte sich die Dringlichkeit folgend dar:

  • 30 % sehr dringlich (innerhalb der nächsten 3 Jahre)

  • 55 % dringlich (innerhalb der nächsten 10 Jahre)

  • 15 % weniger dringlich (innerhalb der nächsten 20 Jahre)  

flankierende Steuerungsmaßnahmen

Eine erfolgversprechende schutzwaldtechnische Sanierung des Gaisberges bedarf flankierender, außerhalb der forstlichen Steuerungsmöglichkeiten gelegener Maßnahmen:

  • Wald - Wild: Die Abschussplanung für den Jagkreis III-Aigen bzw. die ÖBf-Eigenjagd richtet sich seit dem Jagdjahr 1989 nach den detaillierten Empfehlungen eines wald-wildökologischen Gutachtens (REIMOSER 1988). Grundgedanke dieser Abschussplanfestsetzung ist - obwohl hierfür die landesgesetzlichen Rahmenbedingungen noch fehlen - das Ausmaß der Wildverbissintensität an der Naturverjüngung. Zur begleitenden Kontrolle der Wirksamkeit dieser jagdlichen Maßnahmen wurde im April 1989 gemeinsam mit der Landesforstdirektion Salzburg ein Wildverbisskontrollzaunnetz eingerichtet, das jährlich eine detaillierte Auswertung erfährt.  

  • Wald-Wild-Tourismus: Die intensive Erholungsnutzung des Gaisberges bedarf dringlich einer Kanalisation der Besucherströme. Mit dieser Zielsetzung befasst sich eine eigene Projektgruppe, die im Oktober 1990 einen konkreten Maßnahmenkatalog vorlegen wird. Dadurch soll es mittelfristig zu einer spürbaren Erleichterung beim Erreichen der Umsetzung forstlicher/jagdlicher Zielsetzungen kommen.  

Projektfinanzierung  

Grundgedanke der "Waldpflegegemeinschaft Gaisberg" ist es, organisatorisch und mit einer kombinierten forstlichen Förderung aus Bundes-, Landes- und Stadtförderungsmitteln eine geordnete stand-ortsbezogene Schutzwaldpflege sicherzustellen. Finanzierungsbasis für den gezielten Einsatz und die Kombination aller Förderungsmittel bildet dieses Schutzwaldsanierungsprojekt. Die kombinierte Förderung im Gesamtausmaß von 90 % soll auf Basis des nachstehenden Rechenschlüssels erfolgen: 40 % Stadtgemeinde Salzburg; 33 % Bund; 17 % Land Salzburg. Der Interessentenbeitrag des Waldeigentümers beträgt 10 %. Die Förderungssätze sind flächenbezogene Puschbeträge (Durchschnittsbeträge) und müssen je nach Geländegegebenheiten, Bringungsentfernungen, Erschwernissen, zweckmäßigster Pflegetechnik adaptiert werden. Die Förderungen in der Entnutzungsphase betreffen die erschwerte Fällungs- und Bringungstechnik bei kleinflächigen Nutzungsplanungen bzw. besonders bestandesschonende Bringungstechniken (Pferderückung). Die Gewährung der Förderungsgelder ist nach ihrer Höhe waldpflegeeingriffbezogen und stellt nicht auf den Zeitbedarf (Stundenaufwand) der Durchführung ab. Werden also Waldpflegemaßnahmen durch den Waldbesitzer persönlich (Eigenleistung) vorgenommen, so sind diese entsprechend einer fiktiven Fremdvergabe zu fördern.

Mit 1. Juli 2006 ist es einvernehmlich (Förderungsgeber und Verein) zur Abänderung des Förderungsschlüssels gekommen. Die Projektdauer wurde bis zum Jahr 2020 verlängert. Die bisherigen Förderungssätze wurden auf 60 % (40 % Bundesmittel, 20 % Landesmittel) gesenkt, der Eigenleistungsanteil auf 40 % angehoben. Die Stadt Salzburg gewährleistete weiter die forstfachliche Betreuung durch Beistellung des Geschäftsführers/Gaisbergförster (Personalsubvention). Für die Inanspruchnahme dieser Leistungen bedarf es nachstehender Voraussetzungen

  • Vereinsmitglied in der Waldpflegegemeinschaft Gaisberg.

  • Festlegung der waldbaulichen Maßnahmen auf Basis der Bestandeskarteien des Waldpflegekonzeptes 1987 bzw. der Schutzwaldinventur 1988 (vgl. auch Bestandeskarten)

  • Vorgabe der Bestockungsziele (Jungwuchs-, Dickungspflege) bzw. Stammauszeige (Auslese-, Lichtwuchsdurchforstung; Endnutzung) durch den Gaisbergförster.

Projektumsetzung

Die Vielzahl der betroffenen Waldbesitzer am Gaisberg (Gartenwaldparzellen nicht berücksichtigt) empfiehlt schon aus organisatorischen Überlegungen der Zusammenschluss in einer "Waldpflegegemeinschaft Gaisberg". Dies erfolgte in Form einer Vereinsgründung am 26.April 1990. Zum Obmann wurde der Steinwendbauer Hans Radauer, zu seinen Stellvertretern Ing. Landolf Revertera und Franzensbauer Franz Ebner gewählt. 

In den bereits behördlich bewilligten Vereinsstatuten ist die Aufgabe der "Waldpflegegemeinschaft Gaisberg" folgend definiert: "Organisatorische Basis für eine laufende, langfristig orientierte forstliche Betreuung, praktische Durchführung von Waldpflegearbeiten in allen Altersstufen unter Verwendung forstlicher Förderungen aus öffentlichen Mitteln."  

Die fachliche Betreuung und damit die organisatorische Umsetzung dieses Schutzwaldsanierungsprojektes wird ein eigenes Forstorgan ("Gaisbergförster") übernehmen, das seitens der Stadt Salzburg dem Obmann des Vereines "Waldpflegegemeinschaft Gaisberg" zur Seite gestellt wird. Seine Aufgaben sind

  • Intensivierung der Waldpflege (Vornutzungen) im Sinne des Bannwaldpflegekonzeptes und der Schutzwaldinventur

  • Aufbau eines EDV-gestützten Waldwirtschaftskonzeptes auf Basis der vorhandenen waldbaulichen Planungsgrundlagen;

  • Förderung des Ausbaues der forstlichen Walderschließung;

  • breite Lösung der standörtlichen differenzierten Wald-Wildproblematik (z.B. Erstellung eines Fütterungsleitplanes, Einrichtung eines Wildverbisskontrollzaunes);

  • Konzentration des Holzverkaufes (Kleinholzmengen) und damit Steigerung des erzielbaren Holzverkaufserlöses;

  • bei Bedarf Beistellung von qualifizierten Holzarbeitern (Zusammenwirken bei den Waldarbeiten mit dem bäuerlichen Waldbesitzer; alleinige Übernahme von Waldpflegeetappen);

  • Durchführung von forstlichen Informationsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Salzburg (Kurse, Exkursionen, Seminare, Forststammtisch);

  • gezielter Einsatz und praktische Abrechnung von forstlichen Förderungsmitteln; Koordination von Bundes-, Landes-, Gemeindezuschüssen;

  • Möglichkeit der Kombination forstbehördlicher Erfordernisse und forstfachliche Betreuung.

  • waldbauliche Planungs- und Entscheidungsgrundlage bildet die detaillierte Bestandeskartei der waldbaulichen Inventur 1987/1988.

Die laufende fachliche (waldbauliche) Kontrolle ist, ungeachtet der Überprüfung durch Vertreter des Bundes bzw. des Landes Salzburg, durch den forsttechnischen Dienst der Stadtgemeinde Salzburg vorgesehen. Für die korrekte  und widmungsgemäße Verwendung der gewährten Förderungsgelder trägt der Vorstand der Waldpflegegemeinschaft Gaisberg die volle Verantwortung.  

... förderungsumstellung 2014

Mit dem neuen EU-Förderungsprogramm Ländliche Entwicklung 2014-2020 wurden jedoch neue Rahmenbedingungen geschaffen, die eine Umstellung des Schutzaldsanierungsprojektes erforderlich machte. Nach 23 Jahren waldbaulicher und betriebswirtschaftlicher Intensivbetreuung mit maßgeblicher Unterstützung der Stadtgemeinde Salzburg erfolgt nun die forstfachliche Beratung und Förderung gemäß den forstgesetzlichen Vorgaben durch den Bezirksförster der Forstbehörde (Bezirksverwaltungsbehörde).

Diese Umstellung ist für den einzelnen Waldeigentümer mit einem betreuungstechnischen Qualitätsverlust verbunden. Im Projektzeitraum 1990-2013 konnte eine vollständige - und kostenfreie - Beförsterung angeboten werden. Projektkonzeption, Organisation der Schutzwaldpflegearbeiten (Auszeige, Beistellung der Holzakkordanten, Akkordvereinbarungen, Arbeitskontrolle, Holzabmaß und Holzverkauf), Förderungsabwicklung und fachliche Informationsveranstaltungen (Exkursionen, Vorträge, Forststammtisch) erfolgten durch den Gaisbergförster.  Künftig werden sich diese Dienstleistungen auf die forstliche Beratung der zweckmäßigen waldbaulichen Eingriffe und auf die optimale Verwendung forstlicher Förderungsgelder reduzieren.